Wow, Deutschland ist im Halbfinale, hätte ich zu Beginn der WM ganz sicher nicht gedacht, aber nachdem die ganzen Mannschaften, die sonst so super sind, so früh raus geflogen sind und Deutschland aber immer weiter kam, gönne ich denen den Titel mittlerweile auch.
Aber WM-Zeit ist Flaggenzeit und schon wird einem wieder unterstellt, man sei politisch rechts, nur weil man in schwarz-rot-gold rumläuft und sich mit seinem Heimatland identifizieren kann.
Habe schon vor ein paar Jahren mit einem Bekannten lange darüber diskutiert, dass ich solche Sichtweisen als Schwachsinn empfinde und als dann auch noch ein Freund ein Foto davon schickte, wie die Linken an die Autofahnen Zettel mit dem Hinweis hängen, dass das Flaggen den Nationalismus fördern würde und das man das doch aus Respekt vor den anderen Nationen bitte lassen soll, da musste ich wirklich lachen, weil's Quark ist.
Es gibt tatsächlich Leute, die finden die Stimmung im Land zu großen sportlichen Ereignissen einfach toll und wollen daran teilhaben und machen dann eben eine Fahne ans Auto. Dadurch soll Leuten, die nicht aus Deutschland kommen oder sich damit nicht identifizieren können oder wollen nicht auf den Schlips getreten werden, sondern es soll einfach nur eine Zugehörigkeit ausdrücken. Wie der Schnurrbart bei den Hipstern. Die schwarze Kleidung bei Gothics.
Und diejenigen, die wirklich Anhänger des Rechtsextremismus sind, sind das auch außerhalb von WM und Co. Die brauchen keinen Anstoß, um scheiße zu sein, die sind immer so.
Mal abgesehen davon macht sich der Otto Normalverbraucher sicher keine politischen Gedanken, wenn er sein Trikot überzieht. Ebenso wenig fühlt man sich selbst eingeschränkt oder unerwünscht, wenn Leute mit Migrationshintergrund ihre Flaggen aufhängen, um eben ihr Land zu unterstützen, um nach außen hin zu zeigen, für wen sie sind.
Ich seh' das alles nicht so eng. Kann doch jeder sein, für wen er will. Und ich habe auch eine schwarz-rot-goldene Blumenkette bei mir rumliegen. Und ich sage auch "Wir haben gewonnen!" und nicht "Die deutsche Nationalmannschaft hat gewonnen" obwohl ich ja gar nicht mit auf dem Platz stand (in dem Fall hätten wir auch garantiert nicht gewonnen). Und trotz dieser Dinge bin ich ganz sicher nicht rechts. Ich finde es einfach sehr entspannt, einfach mal sagen zu können "Ich bin Deutscher und das ist nichts, wofür ich mich schämen müsste."
So schlimm das alles damals zur NS-Zeit war, ich bin gegen dieses Gefühl der Erbsünde. Man darf nicht vergessen, was passiert ist, aber man muss sich in der Gegenwart auch davon losmachen können.
In diesem Sinne: Deutschland, auf geht's! Dieses Jahr könnte der Titel drin sein. Ich bin auf jeden Fall dafür und werde mitfiebern. In schwarz, rot und gold.

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