Seit ein paar Wochen bin ich bei Facebook in einer tollen Gruppe, die sich "Zöliakie-Austausch" nennt.
https://www.facebook.com/groups/183802998338199/?fref=nf
Das ist auf jeden Fall eine super Sache, weil man sich da mit Leidensgenossen austauschen kann, Rezepte teilt und Tipps findet, wo man glutenfrei essen gehen kann. Also echt eine super Sache.
Ich finde es aber jetzt schon nervig, weil täglich mindestens 10 Leute (zumindest gefühlt) einen Post einstellen "Ist das glutenfrei?"
Tollerweise muss in Deutschland alles deklariert sein, sodass man solche Dinge ganz einfach selbst rausfindet. Packung umdrehen und lesen.
Außerdem: Wenn man schon so viel Internet hat, dass man ein Foto vom betreffenden Produkt bei facebook hochladen kann, kann man auch mal flugs googlen. Abgesehen davon: Wenn man an einer Lebensmittelunverträglichkeit erkrankt ist, dann informiert man sich doch direkt, was man darf und was nicht. War zumindest bei mir so.
Eine kleine Liste dabei, ab geht's.
Was mir aber noch viel saurer aufstößt als das ständige "Ich setze mich nicht mit meiner Erkrankung auseinander und hab deshalb keinen Plan, was ich essen kann." sind die Situationen, die von den Betroffenen berichtet werden, in denen sie auf völliges Unverständnis stoßen.
Als die Gluten-Sache bei mir aufkam, war ich immerhin schon 18, also quasi erwachsen, und trotzdem haben meine Eltern mich in allem unterstützt, Papa hat mir eine Liste mit E-Nummern ausgedruckt, damit ich damit auch was anfangen kann und nicht in Fallen tappe, meine Mama hat jede blöde Schokolade gegenkontrolliert, damit ich nicht leide, falls mir selbst mal was durch die Lappen geht, was anfänglich leider oft der Fall war, Macht der Gewohnheit eben. Für mich wurde immer Ersatz gekocht, wenn ich das eigentliche Essen nicht durfte und das sogar penibler, als ich es selbst getan hätte.
Jetzt kann man sagen: "Klar, das sind ja auch deine Eltern." Aber was, wenn ich euch sage, meine Freunde sind mindestens genauso toll?
Für Abende, wenn wir uns alle zusammen getroffen haben, zum Beispiel zum Burger essen, habe ich mich um Brötchen und Fleisch gekümmert, sodass ich da save war und eine Freundin fragt, ob sie einen Salat machen soll und was ich dürfte. Habe ihr von den glutenfreien Nudeln von Rewe erzählt und zack ging's los. Wenn sich mal jemand nicht sicher war wegen Pesto oder ähnlicher Dinge, einfach schnell eine SMS an mich und ich konnte ganz normal mit allen mitessen.
Zu Silvester gab's bei mir ein Mitbring-Buffet und eine Freundin hat gefragt, was sie machen kann, damit ich's darf, ich hab ihr ein Keks-Rezept geschickt und sie hat die gebacken.
Und 4 Monate später hatte sie Geburtstag und hat von sich aus diese Kekse wieder gebacken.
Bei meinem Freund ist immer Müsli und Brot vorhanden, Saucen werden nur noch mit Kartoffelmehl angedickt, damit ich auch spontan mal vorbei kommen kann, denn die Spontaneität hat sich durchaus eingeschränkt durch die Erkrankung.
Ich kann also nur sagen, dass ich bisher noch gar nicht auf Unverständnis gestoßen bin, und falls das hier jemand liest, der Auslöser für Negativ-Erfahrungen meiner Leidensgenossen war: Warum bitte? Warum so viel Unverständnis, für etwas, für das man nichts kann? Ähnlich der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung und allem möglichen Anderen, wofür man diskriminiert wird, sucht man sich Zöliakie nicht aus, man hat sie. Es ist eine Einschränkung, aber mehr auch nicht. Und man lebt damit regelrecht normal, wenn man solche Freunde und Familie hat wie ich. Man kommt sich aber wirklich krank und benachteiligt vor, wenn man auf Leute trifft, die einen nicht ernst nehmen, die nicht darauf achten, ihr Brot vielleicht nicht gerade auf dem Allergiker-Teller zu schneiden, etc. Für mich gibt es bei den Grill-Abenden sogar immer eine eigene Ecke auf dem Grill ebenso wie eine eigene Grillzange. Ich bin hochzufrieden mit meinem Umfeld und wünsche das jedem anderen, der unter ähnlichen Umständen sein Leben führt, wie ich es tue.
Wer sehen will, dass Zöliakie längst kein Einzelfall mehr ist, kann über facebook unter
#worldceliacsinaction2014 einige Aktionen beobachten und vielleicht auch unterstützen, die den Zöliakie-Erkrankten den Alltag erleichtern sollen, mein Favorit: glutenfreie Burger bei McDonalds, Gott, was würde ich mich darüber freuen! :D