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Freitag, 15. November 2013

Mund auf!

Jeder macht es, und jeder beschwert sich darüber: Hinten rum Kritik auszuüben, zu „lästern“ und die betreffenden Personen oder Institutionen aber nicht über ihre Unzulänglichkeiten zu informieren.
Lange lange habe ich auch über andere gesprochen, aber nicht mit ihnen, bis mir aufgefallen ist, wie dumm das ist.
Es ist nicht nur fair, offen zu seiner Meinung zu stehen, es kann sich auch nichts ändern, wenn man nur über andere spricht, ohne ihnen mitzuteilen, was man an ihnen zu kritisieren hat.

Schönes Beispiel, welches mir vor kurzem wiederfahren ist:
Ich bin umgezogen und in meinem Mietvertrag ist festgeschrieben, dass ich Anspruch auf einen Fernsehanschluss habe, dafür zahle ich auch.
Als ich dann endlich eingezogen war, ist mir aufgefallen, dass der Fernsehanschluss defekt ist.
Ich habe beim Hausmeister angerufen, nichts tat sich. Ich habe beim Vermieter angerufen, es hat 6 Wochen gedauert, bis mal was ins Rollen gekommen ist.
Erst als ich damit gedroht habe, dass ich die Miete kürze, weil ich schließlich für den Anschluss zahle und diesen auch gern in Anspruch nehmen würde, hat sich mal jemand gekümmert.
Ich habe mich dann auch direkt beim Zuständigen beschwert, dass es so lang gedauert hat und ich immer und immer wieder vertröstet würde.
Vielleicht hat sich die Firma ja was zu Herzen genommen, aber selbst wenn nicht: Durch mein hartnäckiges Eingreifen habe jetzt nicht nur ich einen funktionierenden Fernsehanschluss: Auch die Bewohner der Zimmer in den 5 Etagen über mir haben nun ihren Anschluss wieder. Der Fehler lag nämlich in der 6. Etage und ich war scheinbar nicht die Einzige, die solche Service-Probleme hatte, aber ich war die Einzige, die penetrant genug war, tagtäglich anzurufen, bis sich etwas tat.

Genauso meine Kritik an Task Force Berlin.
Ich habe den Artikel an die ProSieben-Servicestelle geschickt und eine Antwort bekommen.

Oder aber – auch ein ProSieben-Fall – „Schlag den Raab“
Ich stelle hier einfach mal meine E-Mail und die Antwort rein:

Von: Leandra Busch
Gesendet: Samstag, 7. September 2013 23:30
An: Zuschauerredaktion ProSieben
Betreff: Schlag den Raab

Sehr geehrte Damen und Herren, im Augenblick schaue ich Schlag den Raab und trotzdessen ich die Idee des Spiels "Eier werfen" sehr gut finde, bin ich empört über die sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln, ganz besonders da Wasserbomben eine einfache Alternative wären.
Ich finde es sehr wünschenswert, wenn Sie in Zukunft nicht nur über die Tätigkeiten der Kandidaten nachdenken würden, sondern auch über Ihre Materialien.
Mit freundlichen Grüßen
Leandra Busch



Als Antwort kam dann Folgendes:

Guten Tag ,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Grundsätzlich sind wir, wie Sie, der Ansicht, dass ein verantwortlicher Umgang mit Nahrungsmitteln gepflegt werden sollte.

Daher bemühen wir uns stets in unseren Sendungen entweder Produkte oder Nahrungsmittel, die nicht mehr für den Verkauf oder Verzehr zugelassen würden, zu verwenden oder sorgen zumindest dafür, dass die Reste in irgendeiner Form weiterverwendet werden können.

Ihr kritisches Feedback geben wir natürlich dennoch gerne zur Kenntnisnahme an die Redaktion von "Schlag den Raab" weiter.

Gleichzeitig bedanken wir uns, dass Sie sich die Mühe gemacht haben uns Ihre Bedenken mitzuteilen.

Freundliche Grüße aus Unterföhring!

Ihre ProSieben Zuschauerredaktion

Anne Meißner


Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass ich da jetzt so richtig was losgetreten habe, glaube aber dennoch, einen Schritt in die richtige Richtung getan zu haben und würde mich unheimlich freuen, wenn das noch mehr Leute täten.
Generell nicht nur zu konsumieren, sondern auch zu hinterfragen und im Zweifel zu kritisieren.

Sonntag, 22. September 2013

Bundestagswahlen 2013

Noch steht nichts fest, aber eine Änderung an der Spitze gibt es wohl auf jeden Fall, denn für die FDP sieht's echt schlecht aus.

Ich hätte jetzt direkt mal ein paar Vorschläge, wie man etwas, was mich persönlich immer wieder auf die Palme bringt, ändern könnte.

Auch, wenn ich mittlerweile aus der Schule raus bin, so pisst mich die Schulpolitik offen gesagt echt an.
Meiner Meinung nach sollten die Leute, die es was angeht, direkt befragt werden, zum Beispiel sollte man doch mal Schüler aus jeder Schulform fragen, ob die überhaupt Bock auf Gesamtschulen haben.
Was ihrer Meinung nach fehlt im Unterrichtsplan. Aber nein, Leute, die seit mindestens 20 Jahren aus der Schule raus sind, entscheiden solche Dinge.


Und was die Wahlen angeht: Viele Leute sagen, sie wissen nicht, wen sie wählen sollen. Ich versteh das voll und ganz.
Eigentlich gibt es nämlich auch für mich keine Partei, der ich mich guten Gewissens zuordnen kann, allerdings teile ich in Sachen Energiewende die Meinung der Grünen. Wirtschaftlich bin ich eher bei der CDU. Und wen wähle ich jetzt?
Meiner Meinung nach kämen wir dem Begriff der Demokratie viel näher, wenn die Bürger von Frage zu Frage eine Partei wählen könnten. Wie genau das umzusetzen ist, weiß ich nicht, aber ich habe auch keine Politik studiert. Ich denke, es muss irgendwie möglich sein.

Die FDP ist nicht unbedingt meine präferierte Partei, der Vorsitzende der FDP-Jugendorganisation Junge Liberale genießt aber auf gewisse Weise meine Sympathie.
Er wurde zum vernichtenden Ergebnis der diesjährigen Bundestagswahl befragt und räumte ein, dass dieses Ergebnis hausgemacht ist, dass die Wahlkampagne schwach war.

Er sagte: "Der nächste Schritt im Wahlkampf wären doch Plakate mit Hundewelpen und dem Slogan 'Bitte bittte wählt uns' " gewesen.


Ich ließ mich dadurch inspirieren und habe mal ein paar Plakate gestaltet, ich bitte euch alle darum, das Ganze nicht so bierernst zu nehmen. ;)



Fipsi und sein Brüderle


Hast du mein Brüderle gesehen?


Wo ist denn bloß mein Brüderle?


Zeig Herz
Wähl Fipsi und sein Brüderle


Bitte bitte wähl uns!
Ich bin sonst sooooo traurig.

Freitag, 30. August 2013

Task Force Berlin – Warum jetzt erst recht niemand wählen geht



Am 22. September ist die Bundestagswahl. Eine wichtige Sache, für ganz Deutschland.
Die Wahlbeteiligung wird immer niedriger, besonders bei Jugendlichen, eine traurige Tatsache, gegen die ProSieben versucht, vorzugehen.

Der Ansatz ist gut, vier Prominente, die versuchen, zwischen Jugendlichen und Politikern zu vermitteln. Nur leider hapert es an der Durchführung.

Eine der Prominenten – Rebecca Mir – scheint aus der Sache lieber ihre persönliche Show zu machen, lässt die Politiker nicht ausreden, fragt nach Missständen, die schon längst ausgebügelt wurden, wie zum Beispiel das Gesetz zur Homo-Ehe.
Sie sagt selbst, als Erstwählerin hat sie noch nicht so den Plan von Politik, womit sie ganz klar Recht hat, aber muss man jemand Planlosen dann wirklich zum Mediator zwischen Politikern und anderen Planlosen machen?
Und diese Planlosen, diese Erstwähler, sind leider völlig einseitig dargestellt.
Primär Politik-Verdrossene, die von sich selbst oder auch über ihre Generation sagen, sie würden einfach nicht verstehen, was die Politiker so von sich geben, weil sie so unverständlich sprächen.
Wenn man nur Jugendliche aus Problem-Vierteln ohne Schulabschluss befragt, ist das überhaupt kein Wunder.

Ich selbst bin auf Bundes-Ebene ebenfalls Erstwählerin, habe aber keine Probleme damit, die Politiker zu verstehen, meine Probleme mit der Politik liegen anderswo, fragt mich danach mal ein Promi? Nein, weil es natürlich viel leichter ist zu sagen „Politiker müssen volksnäher werden“, man geht mit ihnen einen Kaffee trinken und damit hat sich die Sache.
Konkrete Verbesserungsvorschläge werden typischerweise gar nicht gemacht, aber selbstverständlich wird gesagt, dass man sich darum kümmert. Kann man ja mitten im Wahlkampf auch nicht zugeben, dass es manche Probleme einfach gibt, und man diese nicht lösen kann, ohne woanders neue hervorzurufen.

Wenn man sich aber schließlich mit ein paar Aussagen einzelner Politiker anfreunden kann, oder man diesen einfach nur sympathisch findet (soll’s geben), so wird einem das direkt wieder madig gemacht, und zwar durch Micki Beisenherz (oder so – „Deutschlands bestem Comedy-Autoren“) und seine blondgelockte Kollegin, die ihm nur nach der Schnauze redet.
Jegliche Aussage der Politiker wird ins Lächerliche gezogen, und wenn an manchen Aussagen einfach nichts auszusetzen ist, macht man eben die Person lächerlich.
Im Endeffekt ist in 5 Tagen „Task Force Berlin“ nicht ein Politiker gut weggekommen, wer soll denn diese – so dargestellten – Witzfiguren jetzt noch wählen?

Ich bin mit der Einstellung an die Sendung herangegangen, dass ich eigentlich weiß, wen ich wähle, ich mir aber gern auch nochmal andere Stimmen anhöre, eine Meinung kann schließlich immer geändert werden. Ich muss sagen, ich bin echt enttäuscht von der eigentlich so gut gemeinten Idee.


Also Leute, macht’s wie ich. Geht wählen. Nehmt eins unserer wichtigsten Rechte wahr. Und wenn ihr’s schon nicht aus Interesse oder Engagement macht, dann doch bitte wenigstens, damit nie wieder eine Sendung wie „Task Force Berlin“ über den Bildschirm flackern muss.

Donnerstag, 23. Mai 2013

Wir werden dich kriegen!


Bei "Germany's next Topmodel" geht es am Donnerstagabend um alles oder nichts: Denn nur drei der verbliebenen fünf Topmodels schaffen es ins Finale. Wer gibt am Ende noch mal richtig Gas, und wer fällt bei den Juroren Enrique Badulescu, Heidi Klum und Thomas Mayo (v.l.) doch noch durch?© ProSieben/ Oliver S.

weiter lesen: http://web.de/magazine/tv/bildergalerien/bilder/17457222-gntm-finale.html#.A1000145

Ja, wer ist wohl Thomas MAYOS Favorit?
Na gut, blicken wir über diesen Fehler mal hinweg und wenden uns Castingshows als solchen zu.
Angefangen bei Germany’s Next Topmodel (GNTM): Es wird nun schon zum 8. Mal Deutschlands „schönstes Mädchen“ gekürt und über Geschmack lässt sich ja bekanntlich nicht streiten, aber warum ist denn „schön“ immer gleichbedeutend mit „unterernährt“?
Ich habe mal spaßeshalber meine Maße und mein Gewicht mit denen der Models verglichen, man kann nur sagen: Ich fette Kuh!
Nicht genug damit, dass Christine wegen ihrer breiten Hüfte (?!) Probleme hatte, nein Marie musste ihren Bauch einziehen und durfte doch tatsächlich keine Pommes essen.
Ich sympathisiere mit niemandem aus dieser Staffel, aber eins kann ich sagen: Lasst doch das Mädel ihre Pommes essen!
Schlimm genug, dass jeder gegen jeden ist, jeder nur am zicken ist und sich auch jede für die Einzige hält, die in irgendeiner Art und Weise ehrlich ist. Die Ehrlichkeit ist bei der Entscheidung, an einer Castingshow teilzunehmen, flöten gegangen.
Aber naja, würde man mir nur Salat zu essen geben, wäre ich auch zickig.
Der verzweifelte Versuch der „Model-Mama“ Heidi Klum, die Esskultur der Models so darzustellen, als wäre sie völlig normal wirkte dann doch einfach zu gestellt.
„Natürlich essen Models auch Brot.“
IST NICHT WAHR! :-O
Was ist denn so wild daran, nicht top durchtrainiert zu sein? Es gibt ja nun Kleidung für jede Körperform. Ich bin auch kein großer Fan von fettleibigen Menschen in hautengen Schlauchtops, aber ich kenne so viele Menschen, die durchaus dick sind, sich aber einfach gekonnt kleiden, sodass ihre Schönheit, die sie im Gesicht tragen, strahlen kann.
Genauso kann ein unterernährtes Mädchen meist keinen tiefen Ausschnitt tragen, weil nichts Nennenswertes darin zu sehen wäre, trotzdem gibt es aber Kleidung, die sie trotzdem klasse aussehen lassen.
Und warum ist es denn die Hauptsache, groß zu sein? Meine Schwester oder auch meine beste Freundin sind nur zwei von unzähligen Beispielen für superhübsche Mädels unter 170 cm. Sie könnten niemals Model werden, obwohl sie klasse aussehen und fotogen sind, einfach nur, weil sie zu klein sind.
Im Ernst, wir haben doch alle irgendwo unsere Mängel, man muss nur wissen, wie man sie hinter den Vorzügen verstecken kann.
Nicht so wie bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS). In der diesjährigen Staffel waren gleich zwei Kandidatinnen in der Top 10 dabei, die man als vollschlank bezeichnen konnte. Aber statt ihnen Kleider anzuziehen, die ihnen schmeichelten, stopfte man sie in Leggings und extrem körperbetonte Kleider. Aber DSDS arbeitet ja schon lang nach dem Prinzip „Sex sells“.
Neben den mehr als unangebrachten Kommentaren eines Jury-Mitgliedes war diesmal tatsächlich der Jury-Präsident derjenige, der niveauvolle(-re) Kommentare brachte.
Spätestens seit dem Oben-Ohne-Auftritt eines Kandidaten ist wohl klar, dass es bei DSDS noch nie um Stimme ging.
Bohlen selbst räumte bereits ein, dass es bei DSDS um die Show an sich geht und nicht darum, dass den Gewinner eine riesige Karriere erwartet.
Echte Talente lassen sich bei „The Voice Kids“ finden, allerdings finde ich es nicht unbedingt nötig, Kinder schon auf die Bühne zu zerren.
Sollen erstmal ihren Schulabschluss machen, und wenn sie nach der Pubertät immer noch eine tolle Stimme haben, reicht es doch vollkommen, sich dann auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu wagen.
Natürlich sind Casting-Shows in erster Linie Unterhaltung und durch diesen Text oute ich mich, Casting-Shows zu gucken, demnach funktioniert das Prinzip scheinbar, aber es gibt Millionen andere Formate, die nicht mit Menschen umspringen, wie es ihnen passt, die trotzdem unterhaltsam sind.
NICHT dazu zähle ich übrigens das momentan immer berühmter werdende Circus HalliGalli.
Ich persönlich konnte mir in drei Folgen, die ich gesehen habe, noch kein einziges Lächeln abringen und wie man an meinem sonstigen Fernseh-Konsum merkt, muss nicht immer alles einen tieferen Sinn haben, aber Circus HalliGalli ist mir tatsächlich einfach zu bescheuert.
Fernsehen ist aber generell ein Problem. Dadurch, dass ich momentan Massen an Zeit habe, sehe ich in jede neue Show mal rein. Das Problem sind aber nicht die Shows, sondern das, was dazwischen läuft, die Werbeblöcke.
Ab 23 Uhr lief immer der Werbespot zu „The Evil Dead“.
Zunächst sieht es nur nach Metzelei aus, bis schließlich das Mädchen mit den gelben Augen unter’m Tisch hervorguckt und zischt „Wir werden dich kriegen!“.
Beim ersten Mal hab ich mich so erschrocken, dass ich die restliche Nacht nicht mehr geschlafen hab.
Nun gut, vielleicht bin ich auch etwas überempfindlich, was Horror-/Thriller-Filme angeht, aber muss ich nicht auch die Chance haben, Fernsehen zu schauen, ohne mich zu erschrecken?
Sicher, ich bin volljährig und darf sowas sehen, aber ich will es vielleicht gar nicht.
Auf den DVD’s steht immer in dem schönen  Kästchen „FSK“. Freiwillige Selbstkontrolle.
Ich kann mich aber nicht selbst kontrollieren, wenn so ein Werbespot plötzlich anfängt.
Mittlerweile kenne ich ihn und kann mir die Augen zuhalten, während das Gemetzel noch läuft, das stört mich nicht allzusehr, nur das kleine Mädchen, das brauch ich nicht.
Aber durch diesen Schock-Effekt gibt es natürlich Unmengen an Publicity für diesen Film. Auf Kosten meines Schlafes.
Letzten Endes geht es im Fernsehen doch eh nur immer darum, jeden zu kriegen, deshalb hat das kleine Mädchen schon recht: Sie werden dich kriegen.
Nachdem ich mich hier nun ausgelassen hab, wie sehr mir das Ganze auf die Eier geht, gehe ich jetzt erstmal raus. Oder mein Zimmer aufräumen. Oder einfach nur rumliegen, Musik hören. Vielleicht was lesen. Man kann dem Fernseher doch entrinnen.

Sonntag, 20. Januar 2013

Realität versus Religion


„Die unzufriedenen Friedensfreunde, die mit dem Zustand des nichtfließenden Blutes noch nicht genug haben, denken in den Bildern eines messianischen Reiches in dem Wolf und Lamm miteinander weiden. Die kleine Unwahrscheinlichkeit, dass der Wolf dabei überleben kann, indem er Gras frisst, wird hingenommen, obwohl sie doch an den Zeitpunkt denken lässt, an dem die Wölfe vom Aussterben bedroht sein werden und sich die Wolfsfreunde zusammentun müssen, um von irgendwoher Lämmer für die Wolfserhaltung zu beschaffen – die Lämmer von anderen Wieden natürlich. Man merkt, dass es ein anderer sein musste, der sich den messianischen Zustand ausgedacht hat, als der, der sich die Natur ausgedacht hatte.“



Mit dieser Frage steigen schon Kreationisten und Evolutionsbiologen in den Ring.
Der Kreationist ist der Überzeugung, dass das Leben auf der Erde von einem übernatürlichen Wesen geschaffen wurde, zum Beispiel einem Gott und bildet somit die Opposition zu Naturwissenschaften, denn Anhänger der Evolutionstheorie vertreten Charles Darwins Ansicht, dass durch natürliche Selektion die heutige Artenvielfalt entstanden sei, ohne dass eine Gotthet in die Abläufe eingegriffen hätte, allerdings wollen die Kreationisten diesen Konflikt überwinden, sie wollen ihn für sich entscheiden.
Aber kann man Religion denn jetzt mit der Realität in Einklang bringen, oder wird der Konflikt ungelöst bleiben? Und wissen wir überhaupt, was Realität ist? Warum sollte gerade die Ansicht der Evolutionisten der Realität entsprechen, nicht aber die der Kreationisten? Auch die Evolutionstheorie ist eben nur eine Theorie und wurde nie bewiesen, ebenso wenig wie die Existenz eines Gottes.
Der theistische Evolutionismus stellt einen Kompromiss dar. Gott erschuf die Naturgesetze und hat die Evolution in die Wege geleitet, ließ den Dingen aber dann ihren Lauf.
Ist eine Theorie. Die andere, wie alles entstanden sein könnte, ist die Urknall-Theorie. Egal, welche Theorie eine Seite aufwirft, die gegnerische hat eine eigene parat. Religion und Realität sind also kaum miteinander vereinbar.
Als fünftes Gebot steht geschrieben: „ Du sollst nicht töten.“
Um aber Fleisch zu beschaffen, muss getötet werden. Ist nun also jeder Fleischfresser ein Sünder und nur der Vegetarier ein guter Christ?
Nein, leider nicht. Auch wenn Vegetarier eben dieses Gebot oft als Rechtfertigung für ihren Lebensstil nutzen, so ist sie doch ungültig, denn in der Bibel führt Gott auf, dass alles, was lebt zur Nahrung dienen soll und schätzt tierische Opfergaben höher als pflanzliche. „Du sollst nicht töten.“ bezieht sich also nur auf andere Menschen, sowie sich im Prinzip alle zehn Gebote auf das Zusammenleben der Menschen konzentrieren. Für einen gläubigen Christen ist es sicher schwer anzuerkennen, dass die Natur und die Paradiesvorstellung aus verschiedener Feder stammen müssen. Er wird argumentieren „Es gibt aber nur einen Gott.“ aber wer hat dann die Vorstellung des messianischen Reiches so geprägt, dass sie konträr zur Natur verläuft?
Und wenn die Lösung, um Wolf und Lamm friedlich beieinander wohnen zu lassen ist, fremde Lämmer zu stehlen um die Wölfe zu sättigen, widerspricht das den zehn Geboten nicht noch viel mehr? „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.“ „Du sollst nicht stehlen.“
Um auf religiöser Basis zu argumentieren: Gott hat den Wolf als Fleischfresser geschaffen, demnach darf der die Lämmer reißen, um satt zu werden. Der messianische Zustand dagegen scheint ein Ideal-Weltbild der Menschen zu sein, welches niemals existieren wird, sodass der Mensch weiter ein Ziel hat, dass er verfolgen kann, nämlich das Unerreichbare zu erreichen, die Utopie.
An diesem Punkt würde ich gern ein Stück von der Metapher des Wolfes und des Lamms abrücken, denn durch den Lösungsvorschlag, fremde Lämmer anzuschaffen, lässt sich klar der Egoismus des Menschen erkennen. „Wenn meine Lämmer und Wölfe friedlich miteinander leben, so habe ich das Paradies auf Erden. Dass anderer Leute Lämmer für meine Wölfe sterben müssen, ist mir egal.“
Der Mensch ist also auf seinen eigenen Vorteil bedacht, ohne Rücksicht auf Verluste und das wiederum, hat nichts mehr mit dem messianischen Reich zu tun, denn das Gebot, dass über allen anderen steht, lautet: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“ Wer sich mit der Religion nicht identifizieren kann, darf sich auf gern des guten alten Sprichwortes „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg‘ auch keinem anderen zu.“ bedienen.
Man kann hier eine Parallele zu Kant erkennen, dessen Lösungsvorschlag für die Misere der kategorische Imperativ gewesen sein könnte. „Handele stets so, dass dein Handeln als Maxime für die Gesellschaft gelten könnte.“
Dass solche Forderungen aber utopisch sind, hat auch schon Thomas Hobbes erkannt. Mit seinem Satz „Homo homini lupus est“ (lat. „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“) beschreibt er genau das Menschenbild, das der Realität entspricht. Wie Wölfe leben Menschen in „Rudeln“, Gruppen, wenn es aber problematisch wird, wird der Mensch, ganz wie der Wolf, zum Egoisten. „Erst ich, dann die anderen.“ „Solang bei meinen Wölfen und Schafen Frieden ist, bin ich zufrieden, wenn andere ihre Herden nicht kontrollieren können, ist das ja nicht meine Schuld.“
So oder so ähnlich denkt wohl letzten Endes jeder Mensch, denn jeder Mensch ist egoistisch. Muss er auch sein. Gäbe es Menschen, die absolut selbstlos agieren, würden diese von tatsächlich egoistischen Menschen ausgenutzt werden. Ein gesundes Maß an Egoismus ist unabdingbar, um sein Leben möglichst angenehm zu gestalten, um überhaupt überleben zu können. Natürlich nicht ganz und gar ohne Rücksicht auf Verluste.
Man merkt also, die Vorstellungen des messianischen Reiches und die Natur stammen aus unterschiedlichen Richtungen, genauso wie die Religion und die Naturwissenschaften. Aber ist Religion, Glaube, nicht einfach nur der Versuch, der Realität Einhalt zu gebieten? Vor ihr flüchten zu können, weil sie nun mal alles andere als paradiesisch ist?