Schwer zugängliches Thema, zumal die Meinungen da durchaus sehr weit auseinandergehen, mir persönlich ist es aber ein Bedürfnis, manche Dinge einfach mal zu sagen. Ich weiß nicht, inwiefern sie Einzelschicksal sind, aber selbst wenn das, was ich beschreibe, nur Ausnahmen sind, so darf es sowas meiner Meinung nach trotzdem nicht geben.
Ein Mädchen von 7 Jahren hat ständig Bauchschmerzen, wird zu Spezialisten überwiesen, die tendieren zum Nabelbruch, können aber nichts finden. Ende vom Lied: „Kriegen Sie in Ihrer Familie erstmal alles klar, die Bauchschmerzen sind psychosomatisch.“ Die Eltern, versuchen Zugang zu ihrer Tochter zu finden, aber sie hat keine Probleme. Geht gern in die Schule, bringt gute Noten mit nach Hause, innerhalb der Familie gibt es keine Probleme, alles ist gut. Nach einem halben Jahr verschiedene Ärzte konsultieren, kommt man endlich zur Lösung: Eine Lebensmittelunverträglichkeit, eine zu der Zeit relativ seltene. Sowas wird eh nur selten erkannt. Alles, was nicht die typische 0-8-15 Krankheit ist, wird erstmal als psychisch bedingt abgestempelt, vielleicht legt es sich ja von allein wieder.
Aber es geht auch noch schlimmer:
Ein Mädchen von 15 Jahren geht seit Monaten mit Kopfschmerzen in die Schule, bricht gelegentlich zusammen, hat zuhause kaum noch die Kraft, überhaupt irgendwas zu tun, die Kopfschmerzen ziehen sich über den gesamten Tag, über’s Wochenende, Ferien.
Hausärzte sind ratlos, erstmal zum Neurologen, der findet nichts, sicherheitshalber in’s MRT, über die gesamte Krankheitsphase 8 mal, es findet sich nichts. 4 Krankenhausaufenthalte, jeweils mindestens eine Woche, die Ärzte entlassen sie mit entspannenden Fango-Packungen und Massagen, die Kopfschmerzen kämen von einem verspannten Nacken. Aber es wird immer schlimmer, das Mädchen ist mittlerweile 16, drei Monate bleibt sie der Schule fern, wird in eine Spezialklinik eingewiesen. Diese sogenannten Spezialisten schicken sie zum Psychologen. „Das Kind will einfach nicht in die Schule.“ Das genaue Gegenteil ist der Fall, aber wenn niemand zuhört, kann das auch niemand rausfinden. Alles, was sie will, ist wieder in die Schule gehen, ein normales Leben führen, die Freundschaften wieder pflegen können. Die Psychologin besitzt doch tatsächlich die Frechheit, zu sagen „Ich habe sie als sehr ernste Person erlebt.“
Wenn man seit einem Jahr von einem Arzt zum anderen geschickt wird, letzten Endes aber nur gesagt bekommt, man hätte eine Klatsche, der Fortgang der Schule steht auf dem Spiel, Freunde verstehen nicht, dass man sich in so einer Zeit nicht meldet und beenden die Freundschaft, wie soll man da noch gut gelaunt einer Psychologin gegenübersitzen, die ihr Urteil bereits gefällt hat?
Nunja, nach ewigem Bequatschen der Ärzte und mehrmaligem Hinweisen auf einen Knubbel im Genick, den sonst niemand so hat, wurde dann zumindest mal eine Ursache für die Kopfschmerzen gefunden. Liquorleck. Ist im Grunde ein Riss in einem Kanal im Wirbelkanal, durch den Liquor (das ist die Flüssigkeit, in der das Hirn schwimmt) austritt. Das Hirn hatte also quasi ein wenig Schutz verloren, wurde kantiger bewegt und berührte die Schädeldecke, dass das Kopfschmerzen macht, ist klar, oder? Aber die Kopfschmerzen waren nicht hundertprozentig gut, sie waren nur etwas besser. Dieser besagte Knubbel war ja auch noch da. Schien ein Lipom zu sein, Fettgewebe, das macht aber keine Kopfschmerzen. Wenn das Mädchen aber an dem Knubbel gedrückt hat, hat sich der Kopfschmerz verstärkt, irgendwie musste das doch zusammenhängen. Auf Drängen der Eltern hin wurde der Knubbel letztendlich entfernt. Ein Fibrom. Ein Gewebetumor an der Halswirbelsäule, lag direkt auf einem Nervenstrang, der über den Kopf reicht, sodass dieser Tumor durchaus Kopfschmerzen verursachen konnte. Abgesehen vom Operateur, der das Ganze mit eigenen Augen gesehen hat, wollte das trotzdem niemand zugeben. Ein Tumor von 1,5cm Durchmesser. Angeblich völlig auswirkungslos. Als wäre das nicht genug, wurde während der Zeit, in der noch keine Diagnose feststand, einfach mal der Verdacht eines Hirntumors in den Raum gestellt. Wer lässt bitte ein 16jähriges Mädchen 3 Wochen in dem Glauben leben, einen Hirntumor zu haben?
Wegen mangelnder Nachsorge hat sich verhärtetes Narbengewebe gebildet, sodass der Nerv wieder betroffen war, sodass dieses Mal der Schulbesuch für ein ganzes Semester nicht möglich war, das Abitur wird jetzt mit einem Jahr Verspätung gemacht, nur weil die Ärzte nicht darauf gehört haben, was ein 15jähriges Mädchen zu sagen hat. Schon beim ersten Arztbesuch wegen der Kopfschmerzen wies sie auf den Knubbel hin und es hat 1 ½ Jahre gedauert, bis das mal ein bisschen ernst genommen wurde.
Wie eingangs erwähnt, weiß ich nicht, inwiefern das ein Einzelschicksal ist, dass Patienten nicht ernst genommen werden, besonders Kinder und Jugendliche oder Mütter, denen schlicht schnell Hysterie zugesprochen wird, Fakt ist aber: Selbst wenn es ein Einzelschicksal ist, so darf das trotzdem nicht vorkommen.
Nicht nur 1 ½ Jahre voller Kopfschmerzen, sondern auch eine wiederholte Schulklasse und der Verlust mehrerer Freunde sind also den deutschen Ärzten zuzuschreiben. Ob der Fehler jetzt im System liegt, oder bei den Ärzten kann ich nicht zuordnen, Tatsache ist aber, dass es einen gravierenden Fehler gibt, der behoben werden muss.

Eine sehr sehr bewegende Geschichte .... Und traurig das sowas in einem land wie Deutschland passieren kann ... Wo ja angeblich so viele spezialisten ahnung von allem haben und dann meine sie haben recht und was das mädchen aber meint ist völlig egal.
AntwortenLöschenIch bin mal zum arzt gegangen mit Bauchschmerzen und dann 60sec gespräch wurde ich eine woche wegen Magen-Darm krankgeschrieben... Ob die ärzte jetz nur die patienten still stellen wollen mit der krankschreibung oder was da los ist kein plan ... Aber so das richtige isses ja dann auch nicht :(
Völlig egal weshalb es läuft, wie es läuft, es ist falsch.
AntwortenLöschenAber danke, für deine Anteilnahme :)