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Dienstag, 31. Juli 2012

Unsicherheit kennt kein Alter

Auf das folgende Thema wurden wir aufmerksam durch die Leitfragen, die im Deutsch-eA aufkamen, die wohl um 1900 das Lebensgefühl der Menschen beschrieben. Wer bin ich? – Was werde ich?
Kann ich den Ansprüchen meiner Umwelt gerecht werden und gleichzeitig mir selbst treu bleiben?
Was ist der Sinn meines Daseins?
Wie kann ich meine Unsicherheit überbrücken?
Von welchen Instinkten lasse ich mich leiten?
Wie kann ich eine Vorstellung von Werten und Moral bekommen?
Scheinbar treffen diese Leitfragen auch heute noch zu. Aus den Fragen erschließt sich eine gewisse Unsicherheit seiner selbst, die Frage nach dem Sein und dem Werden. Die Frage nach dem Lebenssinn dominiert das Denken und blickt man sich genau um, so erkennt man, dass auch heute diese Fragen nicht geklärt sind.
In jeder Altersstufe gibt es Vertreter, die sich nach dem Sinn ihres Daseins fragen, einige verzweifeln daran, weil sie keine oder nur unzureichende Antworten finden.
Jugendliche, die sich selbst verletzen oder sich an Drogen und Alkohol ausprobieren, um zu erkennen, was sie ausmacht. Erwachsene, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und plötzlich merken, dass sie vermeintlich nichts mehr haben. Oder Menschen, die mitten im Leben stehen, einen Freundeskreis, Familie, festen Arbeitsplatz und einen Partner haben, die merken, dass ihnen trotzdem etwas fehlt. Die Unsicherheit, die Frage nach dem Warum hat den Menschen wahrscheinlich schon immer beschäftigt und wird es auch immer tun. Aber hat das Ganze denn tatsächlich eine solche Tragweite? In der heutigen Zeit zählt einfaches überarbeitet Sein schnell als Burn-Out Syndrom, man wird schneller krank gemacht, als man es tatsächlich ist. Werden dadurch nicht auch einfache Sachverhalte, die schlicht und ergreifend nicht zu vermeiden sind, dramatisiert? Sagt man den Menschen nicht, dass sie sich in einer echten Krise befinden, bevor sie selbst überhaupt das Gefühl haben? Eine andere Leitfrage fragt nach dem Erlangen von Werten und Moral, diese Frage stellt sich aktuell wohl nicht mehr so sehr.
Es gibt einige Institutionen, die feste Werte vermitteln, wie die einzelnen Religionen, oder man ist konfessionslos und konzentriert sich aber zum Beispiel auf die Karriere. Auch, wenn man die Werte, nach denen man lebt, die Moral, nach der man handelt, oft gar nicht benennen kann, so fragt man sich doch nicht danach, wie man aktiv eine Vorstellung dieser erlangen kann. Den meisten Menschen wird wahrscheinlich gar nicht bewusst sein, dass sie keine eigene Vorstellung von Werten und Moral haben, weil es eine allgemeine Vorstellung gibt, die man von der Gesellschaft vorgesetzt bekommt, nach der man zu handeln hat, und wenn man es nicht tut, hat man mit rechtlichen Konsequenzen zu rechnen. In einer Welt, in der alles vorgeschrieben ist - und wenn es nicht explizit vorgeschrieben ist, so sind viele Sachen doch nur in einer bestimmten Variation gesellschaftlich anerkannt [Diskriminierung von Übergewichtigen] - stellt sich die Frage nach individuellen Werten und Moral nicht. Wobei, bevor die Gesellschaft hier zu schlecht wegkommt: Zivilcourage ist ebenfalls eine gesamtgesellschaftliche Moral. Zwar eine, der nicht allzu viele Menschen folgen, was unserer Meinung nach aber nichts mit der fehlenden Moral zu tun hat, sondern mit der Angst vor dem, was passiert, wenn man sich wirklich einmischt. Es gibt genügend Negativbeispiele, wie sie wahrscheinlich jeder kennt, zum Beispiel die U-Bahn-Schlägereien.
Auch die Frage nach den Instinkten und von welchen ich mich leiten lasse, hat heutzutage kaum noch eine Bedeutung. Damals  glaubte die große Mehrheit der Menschen an eine übermenschliche Kraft, einen Gott, und dass sie zwar nach seinem Abbild geschaffen sind, er allerdings trotzdem über sie herrscht. Die Anzahl aktiver Gläubiger ist in letzter Zeit stark gesunken, der Mensch spricht sich selbst durch den immensen Fortschritt in der Wissenschaft Göttlichkeit zu, sodass man sich eher Gott als den Tieren zugehörig fühlt. Tieren werden Gefühle und Intelligenz beinahe abgesprochen, um sich als Mensch deutlich von ihnen zu distanzieren. Dass das Ganze biologisch fragwürdig ist, ist den meisten dabei egal. Allerdings muss bei dieser Argumentation klar sein, dass von der breiten Masse die Rede ist, nicht von Einzelpersonen. Denn wie in jedem Sachverhalt gibt es einzelne Menschen, die dem allgemeinen Eindruck nicht entsprechen.

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