"Jeder von uns war irgendwann einmal im Internet, fast jeder
angemeldet in Sozialen Netzwerken. Der Großteil der Bevölkerung ist fasziniert
und erfreut sich an den neuen Kommunikationswegen, die uns das Internet
gebracht hat. Hier können wir mit Freunden schreiben, die eventuell grad ganz
wo anders sind, vielleicht sogar auf einem anderen Kontinent, wir können Fotos,
Musik, Gedanken mit ihnen teilen. Wir können in Kontakt zu Menschen treten, die
wir lange nicht gesehen haben, sogar neue Leute kennen lernen.
Das alles sind Errungenschaften, die wir einigen klugen Männern zu
verdanken haben, Visionären, wenn man so will. Dass mit dem Internet auch
Schindluder betrieben wird, steht hierbei wahrscheinlich außer Frage.
Die Frage ist in diesem worüber wir uns eigentlich beschweren?
Es gibt standardisierte Vorwürfe, die dem Internet immer und immer gemacht werden. Das reicht von Datenschutzverletzungen über Filesharing-Piraterie bis zu kinderpornographischem Material. Man kann zu den einzelnen Anschuldigungen stehen wie man will (von den Kinderpornos ganz abgesehen, dazu MUSS man Stellung dagegen beziehen, was zugegeben meine Meinung ist), was einem jedoch auffällt, ich setzte hier jetzt eine gewisse Medienkenntnis und ein Minimum an Verstand voraus, dass diese Probleme immer nur zu konkreten Anlässen eine Rolle spielen. Die Netzwelt wird dann nämlich instrumentalisiert, wenn andere Sündenböcke wegfallen – diese Entwicklung ist übrigens dauerhaft, Medien- und Senderübergreifend, was sich ändert ist stets nur der Sündenbock.
Aber lasst uns die Probleme doch einfach einmal aufschlüsseln,
untersuchen, was sich dahinter verbirgt, in Erfahrung bringen, welche Gefahr
sie wirklich mit sich bringen und am Ende heraus finden, dass Dummheit und
Manipulation eine größere Gefahr als das Internet sind.
Oft wird, vor allem bei dem größten der Social Networks, Facebook,
der Datenschutz bemängelt. Häufig angeführtes Argument sind die Informationen,
die via GPS von Smartphones übermittelt werden, ebenso wie, dass das einmalig
erstellte Profil aus dem Internet nicht mehr zu entfernen ist, samt aller
Informationen. Oft geht es auch um die mangelnde Transparenz von Facebook und
ich kann jedem dieser Punkte bis zu einem bestimmten Grad zustimmen. Jedoch gibt es relativ einfache
Methoden wie man sich vor der üblen Überwachungsmaschine schützen kann:
Sorgfältig mit seinen Daten umgehen!
Wer nichts im Internet hat, was ihm gefährlich wird, hat auch nichts zu befürchten, zu dem gibt es immer wieder Abstimmungen der User über neue Datenschutzrichtlinien, wer nicht abstimmt (blöd aber demokratisches Prinzip) hat im Anschluss auch seine Fresse zu halten!
Wer nichts im Internet hat, was ihm gefährlich wird, hat auch nichts zu befürchten, zu dem gibt es immer wieder Abstimmungen der User über neue Datenschutzrichtlinien, wer nicht abstimmt (blöd aber demokratisches Prinzip) hat im Anschluss auch seine Fresse zu halten!
Selbstverantwortung heißt hier das Zauberwort!
Ein weiterer Punkt, der gleichzeitig auch mein Hauptpunkt sein
wird, da er in den Medien oft auftaucht, das so genannte Filsharing oder
Raubkopieren.
In
diesem Moment drücke ich meine Zigarette aus und falte meine Hände vor dem Kopf
zusammen. Hätte nicht erwartet, dass es so schwer ist einen Artikel für einen
Blog zu schreiben, zumal den sowieso eher eine Minderheit lesen wird.
‚Raubkopieren‘
das war das letzte Wort, das ich geschrieben habe – ich beobachte die Uhr an
meinem Rechner: 02:30!
„Verdammt“,
denke ich mir und rüttel an meiner Kippenschachtel um zu erahnen wie viele noch
drin sein mögen „du hast den Termin schon so oft verschoben, den Text dutzende
Male geändert, gelöscht, von vorne angefangen, du musst ihn heute Nacht fertig
kriegen!“
Mein
Kopf tut weh. Ich höre das Klacken der Tasten, es ist verdammt laut, es muss
weiter gehen!
Das Problem an Raubkopien ist, dass sie der Industrie schaden,
klar, keine Frage. Die Frage, die sich aber ein jeder stellen sollte ist immer,
welchen Preis haben bestimmte Güter und welchen Wert!
Und wenn man diese Fragen zu Ende spinnt, kommt man schnell auf
das Urheberrecht. Ist das Urheberrecht in der heutigen Zeit noch gültig? Seit
dem es die Möglichkeit gibt Musik, Filme, Dokumente zu vervielfältigen, haben
Menschen diese auch genutzt, um sich unbezahlt Daten und Informationen zu
beschaffen! In welcher Gesellschaft wollen wir leben? In einer Gesellschaft, in
der jeder Mensch ein Recht darauf hat, Geld für Kunst oder Wissen, das er
selbst geschaffen hat, zu bekommen oder in der Informationen für Jedermann frei
zugänglich sind? Diese beiden Punkte sind leider unvereinbar und man wird sich
positionieren müssen, jeder auf einer der beiden Seiten.
Da das hier aber mein Text ist, werde ich jetzt auch sagen, wo ich
mich positioniert habe und das ist die direkte Mitte! Ich habe mir das Recht
heraus genommen, mich zwischen die Stühle zu setzten, nicht, weil ich eine
Patentlösung habe, sondern weil ich glaube, dass es wichtig ist.
Ich habe kein Problem damit, dass Menschen für etwas, was sie
schaffen, entlohnt werden, das ist halt der Kapitalismus in dem wir leben. Ich
habe allerdings dann ein Problem damit, wenn sich Plattenmultis und
Wirtschaftsbosse einmischen, die Kunst korrumpieren und zu einem Massenprodukt
und folglich zu Kapital zu machen.
Wobei in den meisten Fällen die Konzerne,
die hinter den Künstlern stehen, den Bands
viel mehr schaden als Raubkopierer.
http://i135.photobucket.com/albums/q155/RobRoyBasic/Album1/muckecents1.jpg
|
Wie man an der Grafik sieht, kriegt ein Künstler pro verkauftem
Album grade einmal einen Centbetrag. Das ist die wahre Ungerechtigkeit! Und
nicht ein paar Kids, die keinen Bock haben für jede CD, die ihnen gefällt,
mitunter 20 Euro auszugeben, die viel zu sehr an den Künstlern und ihrer Kunst
interessiert sind, als dass sie genug Geld aufbringen könnten, um ihr Verlangen
nach Kunst, nach Information zu stillen!
Ist das verwerflich? Ein Interesse an Kunst und Informationen, das
schlichtweg zu kostspielig ist?
Schreibfluss,
super, das Klacken der Tasten wird schneller, lauter, energischer. Ich atme
aus. Hole tief Luft und überfliege das was ich grad schrieb! Klingt gut! Die
ersten Vögel fangen an zu zwitschern, die letzten Besoffenen torkeln aus der
Bar gegenüber.
Pause
… Ruhe … Stille.
Ich
öffne das letzte Bier, das sich im Kühlschrank versteckt, zünde eine weitere
Zigarette an und stelle mich auf den Balkon. Eine kühle Brise weht um meine
Nase, Sterne funkeln am Himmel, eine Stadt, die nie ruht, hat ihren Schlaf
gefunden.
Es gab einen Menschen, der wusste, wie es den Usern, den Piraten,
die filesharern, den Verbrechern und Dieben ging, wusste aber auch, warum die
Künstler, vor allem aber die Unternehmen, einen Weg suchten diesen Leuten den
gar aus zu machen.
Kim Schmitz a.k.a. Kim Dot-Com, Betreiber der kompletten
Megavideokompanie. Er wurde wegen erheblicher Urheberrechtsverletzung im
letzten Jahr verhaftet - … und freigelassen! Formalfehler seien die Ursache.
Warum war man so besessen davon, diesen Menschen hinter Gitter zu
bekommen, dass das FBI es versäumte Anklage zu stellen? Oder gab es vielleicht
einen ganz anderen Grund?
Kim Schmitz wollte eine Plattform im Internet schaffen, die sogenannte MegaBox, die es Usern erlaubt, Musik vollkommen kostenlos herunter zu laden und den Künstlern trotzdem 80% mehr Geld pro Platte bringt.
Kim Schmitz wollte eine Plattform im Internet schaffen, die sogenannte MegaBox, die es Usern erlaubt, Musik vollkommen kostenlos herunter zu laden und den Künstlern trotzdem 80% mehr Geld pro Platte bringt.
Ein Zitat von ‚ http://www.delamar.de/musikbusiness/megabox-15366/
‘:
Und
damit geht der Streit mit der Universal Music Group weiter. Das Konzept klingt
märchenhaft: Künstler bekommen sogar für Musik, die von Usern kostenlos
downgeloadet wird, Geld. Der Schlüssel dazu nennt sich Megakey, wurde bereits
mit über einer Million Beta-Usern getestet und für tauglich befunden. Das Ganze
soll über Werbung funktionieren. Damit will sich Schmitz von der veralteten
Musikindustrie und vor allem von den großen Labels absetzten.
‘They don’t understand that the rip-off days are
over.´ (Kim Schmitz)
Haben also im Endeffekt doch eher die Konzerne als die Behörden
hinter der Verhaftung gesteckt? Bloße Vermutungen, geb ich zu! Wenn man sich
jedoch überlegt, dass Plattenmultis und Wirtschaftsbosse uns unser Leben
diktieren wollen, scheint es umso wahrscheinlicher!
SOPA, ACTA, PIPA, CIPA und ähnliche weitere Beschlüsse,
ausformuliert von Unternehmen, keinen
legitimierten Gesetzgebern, sollen von unseren Regierungen durchgesetzt werden
… ist das noch Demokratie?
Ein Pool, der sich dagegen gewehrt hat, war die
Anonymous-Bewegung. Terroristen aus dem Netz, die sich gegen Internetsperrungen
einsetzten und das zurückfordern, was das Internet einmal war: Frei!
Anonymität ist in der heutigen Zeit ein hohes Gut und man hat es
nicht oft – doch dort, wo man die Anonymität noch lebt, spürt und verteidigt,
da kommt man schnell an die Grenzen.
Anonymität bedeutet Freiheit, Freiheit bedeutet Grenzenlosigkeit,
Grenzenlosigkeit bedeutet Gesetzlosigkeit. Ich werde keine der Seiten, auf die
mich in diesem Abschnitt beziehe, namentlich nennen!
Man ist schnell dazu geneigt, sich über Datenspeicherung
aufzuregen und das ist auch verständlich – genauso schnell ist man aber dazu
geneigt, sich über Anonymität aufzuregen. Denn Regel 6 des Internets besagt: ‚Anonymous can be a horrible,
senseless, uncaring monster‘! Wenn Anonymität Freiheit im Netz bedeutet, so kann sie ebenso
bedeuten, dass hier Grenzen überschritten werden, die ein normaler Mensch nicht
überschreiten würde. Beleidigungen, Diskriminierung, ‚Gore-Pics‘, also Bilder von
Schwerverwundeten oder auch toten Menschen oder Tieren, und Pornos, mitunter
auch Kinderpornos, sind eben jene Schattenseiten der Anonymität!
Allerdings sind diese Seiten, diese Sammelbecken von Widerlichen
und Gestörten – im Grunde nur pubertäre Provinz Teenager - auch zu einer Herzlichkeit und Ehrlichkeit in
der Lage, wie man sie selten bei Menschen findet.
Beispiel: Jemand hat auf Youtube ein Video geladen, in dem er eine
Katze misshandelt. Es hat keine 24 Stunden gedauert, da hatten diese kranken
Motherfucker seinen Namen und Adresse und beides beim FBI eingereicht!
Beispiel: Jemand hat erzählt, dass er Ewigkeiten mit einem Mädchen
via Chatroulette o.ä. gechattet hat und dann sein Internet ausgegangen ist. Er
hatte sich in dieses Mädchen verliebt. 1 ½ Stunden später waren Name,
Facebookaccount und Adresse, nur anhand von Fotos bei dem jungen Mann
angekommen.
Beispiel: Zwei Teenager laden ein Video hoch, in dem sie eine
Busfahrerin so stark beleidigen und mobben, bis diese anfängt zu weinen. Wenig
später sind Name und Adresse von allen Beteiligten herausgefunden worden, für
die Frau wurde ein Spendenkonto eingerichtet, damit sie in den Urlaub fahren
kann, letzter Geldstand 100 000 Dollar.
Anonymität hat zwei Seiten, genau so hat es alles im Leben! Jedoch
kann sich das Internet, ebenso wie das Leben, nur dann entfalten, Gestalt
annehmen, wenn man es sich entfalten lässt. Durch Reglementierung und das
Einschneiden von Freiheit ist niemandem geholfen. Lasst euch nicht verarschen
von Medien, Regierungen, Konzernen, geht mit offenen Augen durch die Welt und
durch das Internet und seid frei, frei zu sein, denn nur so kann endlos
Schreckliches und herzzerreißend Gutes entstehen.
„Ist
der Endsatz gut so? Wahrscheinlich nicht – aber er ist wahr!“ denke ich mir,
als ich den Punkt dahinter setzte.
Die
Kaffeemaschine röhrt und presst die letzten Tropfen des Gesöffs in die Kanne.
Bier ist alle, Zigaretten sind schon zu viele geraucht und der Text ist zu lang
geworden. Egal – Einatmen, Ausatmen, Luft holen.
Die
Straßen füllen sich langsam wieder, die Leute gehen wieder nach draußen, die
Stadt ist aufgewacht!
Ein
Lächeln überkommt mich – aus keinem Grund. Der Kaffee dampft noch, als ich mich
mit ihm wieder auf den Balkon stelle und mir die ersten Sonnenstrahlen ins
Gesicht fallen.
Diese
Stadt ist so groß, dass ich in ihr untergehe, verschwinde, ein Teil des großen
Ganzen bin … und ihr? Ihr kennt mich nicht! Habt mich nie gesehen und wenn
nicht wahrgenommen.
Und
genau deshalb kann ich euch das alles hier schreiben, weil ihr niemals wisst
wer ich bin!
Ich
puste in meinen Kaffee, mein Gesicht ist ganz warm von dem Dampf und der
aufgehenden Sonne, der Duft des Kaffees steigt in meine Nase als ich auf dem
Balkon stehe und vor dem ersten Schluck der ganzen Welt zuflüstere:
„Man is least himself when he talks in his own Person.
Give a man a mask, and he will tell you the truth“
(Oscar Wilde)"


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Anything you like to tell me or want me to talk about? Go ahead!
Anliegen, Tipps, Anfragen oder konstruktive Kritik? Nur her damit!
leandra-busch@web.de